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Zielwerte in der Diabetestherapie

Plasmaglukose und HbA1c: Zielwerte für die Therapie des Typ-2-Diabetes

Um die Stoffwechselsituation eines Typ-2-Diabetikers besser einschätzen und einen eventuellen Handlungsbedarf ableiten zu können, sollte der Glukosegehalt im Plasma gemessen werden.3 Die Angabe der Werte kann mit zwei Maßeinheiten erfolgen: in mg/dl oder in der international üblichen Einheit mmol/l.1 Für eine unkomplizierte Umrechnung dieser Werte finden Sie nachfolgend eine Umrechnungstabelle, die Sie im Praxisalltag unterstützen kann.

Besteht klinisch der Verdacht auf einen Typ-2-Diabetes, wird oft zunächst der Nüchtern-Blutzucker (Nüchternglukose) bestimmt.2 Mit ihm lässt sich ein erhöhter Blutzuckerspiegel feststellen. Ab einem Wert von 100 mg/dl bzw. 5,6 mmol/l spricht man von einer abnormen Nüchternglukose2, ab einem Wert von 126 mg/dl bzw. 7,0 mmol/l von einem Diabetes.2

Eine andere Möglichkeit der Diagnose besteht in der Bestimmung des HbA1c-Werts aus einer Blutprobe. Dieser Wert erlaubt Rückschlüsse auf den Blutzuckerspiegel in den letzten sechs bis zwölf Wochen.2 Der HbA1c-Wert dient daher vor allem als Maß für die langfristige Blutzuckereinstellung. Denn die einmalig vor oder nach den Mahlzeiten bestimmten Blutzuckerwerte (Plasmaglukosewerte) zeigen lediglich eine Momentaufnahme, während der HbA1c-Wert eine Gesamtanalyse über den Verlauf des Blutzuckerspiegels in den vorausgegangenen sechs bis zwölf Wochen gibt.

Bei einer Therapie mit Insulin oder oralen Antidiabetika mit Hypoglykämiegefahr (z. B. Sulfonylharnstoffe oder Glinide) kann unter bestimmten Umständen vorübergehend oder dauerhaft eine zusätzliche Blutzucker-Selbstkontrolle sinnvoll sein, die auch Bestandteil von Diabetesschulungen ist.2

Zielkorridore und individuelle Therapieziele

Anzustrebende Zielwerte in der Diabetestherapie werden nicht nur durch die Diabeteserkrankung definiert, sondern hängen auch von Alter, Begleiterkrankungen, Komplikationen während der Behandlung sowie von begleitenden Risikofaktoren ab. Je nach Krankheitskonstellation können demnach unterschiedliche Zielkorridore unter Berücksichtigung der diabetesbezogenen Gesamtsituation des Patienten vorliegen.2

In der derzeit gültigen Nationalen VersorgungsLeitlinie „Therapie des Typ-2 Diabetes“ (NVL) wird daher zwischen den Zielwerten bzw. Zielkorridoren und den individuell vereinbarten Therapiezielen unterschieden. Die Zielkorridore sollen den Arzt bzw. die diabetologisch geschulte Fachkraft sowie den Patienten evidenz- und konsensbasiert darüber informieren, welcher Zielkorridor/Zielwert nach heutigem medizinischen Wissensstand im Regelfall angestrebt werden sollte. Unberührt davon gibt die Leitlinie das übergeordnete Ziel vor, gemeinsam mit dem Patienten individuelle Therapieziele zu definieren.2 Diese sollten von folgenden Faktoren bestimmt werden: der Patientenpräferenz, möglichen Begleiterkrankungen und dem Alter des Betroffenen, dem Nutzen und Risiko der gewählten Medikamente sowie der Art der einzusetzenden Therapie.2

Empfohlene Zielkorridore für HbA1c und Plasmaglukose

Für Erwachsene mit einem Typ-2-Diabetes empfiehlt die NVL folgende Werte für die Plasmaglukose:

  • Nüchtern-/präprandiale Plasmaglukose (venös): 100-125 mg/dl bzw 5,6-6,9 mmol/l
  • Postprandiale Plasmaglukose (venös) 1 bis 2 Std. postprandial: 140-199 mg/dl bzw. 7,8-11,0 mmol/l2 

Zur Primärprävention von Folgeerkrankungen empfiehlt die NVL einen HbA1c-Korridor von 6,5 % bis 7,5 % unter Berücksichtigung der individualisierten Therapieziele. Dabei gilt, je jünger und gesünder die Patienten sind, desto näher sollten die Messwerte am empfohlenen Ziel-HbA1c liegen.2

Eine weitere Absenkung des HbA1c-Wertes auf unter 6,5 % sollte nur erfolgen, wenn eine der beiden folgenden Bedingungen gegeben ist: wenn die Absenkung durch eine alleinige Änderung des Lebensstils erreichbar ist oder die Absenkung durch Medikamente erreicht wird, die kein erhöhtes Risiko für bedeutende Nebenwirkungen wie z. B. schwere Hypoglykämien oder Herzinsuffizienz tragen und deren Nutzen durch klinische Endpunktstudien belegt ist.2

Umrechnung der Blutzucker-Messwerte

Die Blutzuckerwerte lassen sich in zwei Einheiten angeben: Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder Millimol pro Liter (mmol/l). Die Umrechnung erfolgt nach folgender Formel:

  • mmol/l x 18,02 = mg/dl
  • mg/dl x 0,0555 = mmol/l4

Um Ihnen die Umrechnung der Blutzucker-Messwerte zu erleichtern, haben wir hier für Ihren Praxisalltag eine Tabelle mit den Umrechnungswerten mmol/l in mg/dl und umgekehrt erstellt.

Die von uns erstellte Tabelle können Sie sich kostenlos als PDF herunterladen oder ausdrucken.

Download Umrechnungstabelle

Quellen:

  1. Diabetesheute (Ein Service des Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) Erhöhte Blutzuckerwerte. www.diabetes-heute.uni-duesseldorf.de/diabetesundvorsorge/ (Abruf: 15.08.2016).
  2. Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes. August 2013/ Zuletzt geändert: November 2014. www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Leitlinien/Evidenzbasierte_Leitlinien/NVL_Therapie_DM2_lang_Aug_13_geae_Nov_2014.pdf (Abruf: 18.07.2016)
  3. Gesundheitsinformation.de, Diabetes Typ 2. Aktualisiert am 4. Juni 2014 www.gesundheitsinformation.de/diabetes-typ-2.2486.de.pdf (Abruf: 18.07.2016)
  4. Haak T. Palitzsch K-D. Diabetologie für die Praxis. Stuttgart: Thieme, 2012.
  5. Daikeler R. Use G. Waibel S. Kitteltaschenbuch Diabetes: Evidenzbasierte Diagnostik und Therapie; Jahrgang 2014/2015. KT-Books GbR, 2014