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Zielwerte in der Diabetestherapie

Plasmaglukose und HbA1c: Zielwerte für die Therapie des Typ-2-Diabetes

Ein kurzer Piks in den Finger und ein Tropfen Blut: mit modernen Messgeräten ist der Blutzuckerspiegel schnell bestimmt. Diese Werte zeigen allerdings nur Momentaufnahmen. Um die Stoffwechselsituation eines Typ-2-Diabetikers besser einschätzen und einen eventuellen Handlungsbedarf ableiten zu können, sollte der Durchschnittsblutzucker (HbA1c) gemessen werden. Erfahren Sie hier mehr über die Vorteile der Messung des HbA1c-Wertes, das Vereinbaren von individuellen Therapiezielen und wie Sie die Patienten dabei unterstützen können, die vereinbarten Ziele zu erreichen.

Auf lange Sicht: Diagnose des Typ-2 Diabetes

Besteht klinisch der Verdacht auf einen Typ-2-Diabetes, kann über einen venösen Zugang zunächst der Nüchtern-Blutzucker (Nüchternglukose) bestimmt werden. Mit ihm lässt sich ein erhöhter Blutzuckerspiegel feststellen. Ab einem Wert von 100 mg/dl bzw. 5,6 mmol/l spricht man von einer abnormen Nüchternglukose, ab einem Wert von 126 mg/dl bzw. 7,0 mmol/l von einem Diabetes. Der Blutzuckerwert sollte grundsätzlich auf nüchternen Magen bestimmt werden, denn die vor oder nach den Mahlzeiten bestimmten Plasmaglukosewerte schwanken – je nachdem wieviel der Patient gegessen oder getrunken hat und wie viel er sich bewegt hat.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, den HbA1c-Wert zu bestimmen (glykiertes Hämoglobin). Dieser Wert, ermittelt aus einer Blutprobe, erlaubt Rückschlüsse auf den Blutzuckerspiegel in den letzten acht bis zwölf Wochen. Der HbA1c-Wert gilt daher als Maß für die langfristige Blutzuckereinstellung.

Ein HbA1C-Wert > 6,5 % gilt als Diagnosekriterium des Typ-2-Diabetes. Die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) empfiehlt einen HbA1c-Zielkorridor zwischen 6,5 und 7,5 % bei der Typ-2-Diabetes-Therapie. Von einer Absenkung des HbA1c-Wertes unter den unteren Zielkorridorwert von 6,5 % profitieren jedoch nicht alle Patienten. Darum sollte der Zielwert für jeden Patienten basierend auf den Empfehlungen der NVL individuell ermittelt werden.

Arzt und Patient vereinbaren einen individuellen Zielwert, der speziell an die persönliche Situation des Patienten angepasst ist. Bei der Vereinbarung werden u. a. Faktoren wie Alter, Begleiterkrankungen, Komplikationen einer Behandlung sowie begleitende Risikofaktoren berücksichtigt.

Eine 3-Schritte-Strategie kann helfen, den Blutzucker in den Griff zu bekommen

Ein unerkannter Typ-2-Diabetes kann problematisch werden, da dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte zu schweren Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Augenerkrankungen führen können. Der HbA1c-Wert spielt bei der Diagnose und Behandlung eine wichtige Rolle. Eine 3-Schritte-Strategie, mit der dieser Wert nach der Diagnose so lange wie möglich „in Schach“ gehalten werden kann, könnte wie folgt aussehen:

  1. Der Arzt teilt dem Patienten seinen aktuellen HbA1C-Wert mit
  2. Arzt und Patient vereinbaren individuelle Therapieziele
  3. Der vereinbarte Zielwert wird regelmäßig überprüft 

Zur Senkung des HbA1c-Wertes werden dabei vorrangig Lebensstiländerungen angestrebt. Die Schulung des Patienten, eine Ernährungstherapie, die Steigerung der körperlichen Aktivität und ein Nikotinverzicht können dazu beitragen, den Wert zu senken. Sollte dies nicht ausreichen, kann zusätzlich eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden.

Durch diese Maßnahmen können die Patienten es schaffen, den HbA1c-Wert und damit auch die eigene Gesundheit langfristig zu verbessern.

Hintergrund: Zielkorridore und individuelle Therapieziele

Empfohlene Zielkorridore für HbA1c und Plasmaglukose

Für Erwachsene mit einem Typ-2-Diabetes empfiehlt die NVL folgende Werte für die Plasmaglukose:

  • Nüchtern-/präprandiale Plasmaglukose (venös): 100-125 mg/dl bzw. 5,6-6,9 mmol/l
  • Postprandiale Plasmaglukose (venös) 1 bis 2 Std. postprandial: 140-199 mg/dl bzw. 7,8-11,0 mmol/l

Umrechnung der Blutzucker-Messwerte

Die Blutzuckerwerte lassen sich in zwei Einheiten angeben: Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder Millimol pro Liter (mmol/l). Die Umrechnung erfolgt nach folgender Formel2:

  • mmol/l x 18,02 = mg/dl
  • mg/dl x 0,0555 = mmol/l

Die von uns erstellte Tabelle können Sie sich kostenlos als PDF herunterladen oder ausdrucken.

Download Umrechnungstabelle Blutzucker-Messwerte

 

Zur Primärprävention von Folgeerkrankungen empfiehlt die NVL einen HbA1c-Korridor von 6,5 % bis 7,5 % unter Berücksichtigung der individualisierten Therapieziele. Dabei gilt: Je jünger und gesünder die Patienten sind, desto näher sollten die Messwerte am empfohlenen Ziel-HbA1c liegen.

In der derzeit gültigen Nationalen VersorgungsLeitlinie „Therapie des Typ-2 Diabetes“ (NVL) wird zwischen den Zielwerten bzw. Zielkorridoren und den individuell vereinbarten Therapiezielen unterschieden. Die Zielkorridore sollen den Arzt bzw. die diabetologisch geschulte Fachkraft sowie den Patienten evidenz- und konsensbasiert darüber informieren, welcher Zielkorridor/Zielwert nach heutigem medizinischen Wissensstand im Regelfall angestrebt werden sollte. Unberührt davon gibt die Leitlinie das übergeordnete Ziel vor, gemeinsam mit dem Patienten individuelle Therapieziele zu definieren. Diese sollten von folgenden Faktoren bestimmt werden: der Patientenpräferenz, möglichen Begleiterkrankungen und dem Alter des Betroffenen, dem Nutzen und Risiko der gewählten Medikamente sowie der Art der einzusetzenden Therapie.

Quellen:

  1. Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes. August 2013/ Zuletzt geändert: November 2014. www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/nvl-001g.html (Abruf: 26.02.2018)
  2. Daikeler R. Use G. Waibel S. Kitteltaschenbuch Diabetes: Evidenzbasierte Diagnostik und Therapie; Jahrgang 2014/2015. KT-Books GbR, 2014