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Wundbehandlung

Wundbehandlung bei Diabetes

Schon Bagatellverletzungen an den Füßen können für Diabetiker eine ernste Gefahr darstellen. Um langwierige Wundverläufe zu vermeiden und die Compliance zu fördern, ist es hilfreich, den Patienten die Entstehung der Wunde und den genauen Ablauf der Wundbehandlung zu erklären.5 Erfahren Sie hier mehr zu (präventiven) Maßnahmen bei der Wundbehandlung und zum Hintergrund.

Nach dem „Erst-Assessment“ mit Anamnese und Wundbeurteilung wird der Arzt das weitere therapeutische Vorgehen mit den Patienten besprechen.5 In der Regel wird er zunächst versuchen, den Blutzucker möglichst gut einzustellen6 und eventuelle Infektionen zu behandeln.7 Insbesondere bei schweren Infektionen am Fuß kann eine stationäre Aufnahme erforderlich sein.2

Chronische und komplizierte Wunden weisen oft Wundbeläge und nekrotisches, also abgestorbenes, avitales Gewebe auf. Beides sollte zunächst ärztlich entfernt werden.5 Allgemein gilt bei der Wundbehandlung heutzutage, ein physiologisch feuchtes Milieu in der Wunde zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Von diesem Grundsatz kann abgewichen werden, wenn die Erzeugung oder Aufrechterhaltung einer avitalen, trockenen Nekrose einen Behandlungsvorteil darstellt. Dies ist zum Beispiel bei einer diabetischen, trockenen, endständigen Gangrän der Fall.5 Wichtig sind regelmäßige Verbandswechsel5, in die die Patienten mit einbezogen werden können und sollten.

Die Wundheilung aktiv unterstützen: Praktische Tipps

Im Falle einer Verletzung können den Patienten folgende praktische Tipps helfen, die Wundheilung aktiv selbst zu unterstützen:

  • Akute Verletzungen, wie zum Beispiel Schürf- oder Schnittwunden, sollten generell nicht berührt oder ausgewachsen werden.8 Die Wunde sollte möglichst steril abgedeckt und mit einem Pflaster oder Verband fixiert und umgehend einem Arzt vorgestellt werden.8,9 Dies gilt auch für Wunden, die Diabetiker selbst beispielsweise bei der regelmäßigen Untersuchung der Füße entdecken.

  • Bei einer Wunde am Fuß, insbesondere in Verbindung mit einer Neuropathie, ist es besonders wichtig, den Fuß trotz fehlender Schmerzwahrnehmung zu entlasten – je nach ärztlicher Anweisung zum Beispiel mit Gehstützen oder notfalls mit vorübergehender Bettruhe.3,11

  • Mit einer sorgfältigen Einstellung des Blutzuckers und einer genau befolgten Therapie können die Patienten die Wundheilung grundsätzlich positiv beeinflussen.10

Aktiv vorbeugen: Hilfreiche Maßnahmen

Mit entsprechendem Krankheitsbewusstsein können Patienten mit Diabetes auch präventive Maßnahmen erfolgreich und konsequent beachten und umsetzen:

  • Füße täglich zur Früherkennung von Druckstellen oder kleineren Verletzungen inspizieren.3
  • Füße täglich mit milder, rückfettender Seife und warmem Wasser waschen, sorgfältig abtrocknen und anschließend eincremen.11
  • 1- bis 2-mal jährliche Fußinspektion durch den Arzt durchführen lassen.3
  • Darüber hinaus: Bei Auffälligkeiten frühzeitig den Arzt aufsuchen.3
  • Vermeidung von Barfußlaufen und Verletzungen durch unsachgemäße Fußpflege.3
  • Fußnägel nicht schneiden, sondern feilen und Ecken etwas abrunden.11
  • Schwielen und Hühneraugen von diabetologisch geschulten Fußpflegern entfernen lassen.11

Das Schuhwerk sollte sorgfältig gewählt sein. Empfehlenswert ist das Tragen bequemer und nicht zu enger Schuhe. Bei vorhandenen Druckstellen kann der Arzt spezielle Weichpolstereinlagen verschreiben, durch die die gefährdeten Stellen entlastet werden. Möglich ist auch die Anpassung eines speziellen Diabetesschuhs, der durch eine besondere Fußbettung für eine schonende Belastung der Fußsohle sorgt.11

Hintergrund

Wundheilung ist eine regenerative Meisterleistung des Körpers: Sie beginnt mit dem Verklumpen der Blutplättchen zu einem Blutschorf für den Wundverschluss und endet normalerweise mit einer vollständig verschlossenen, bindegewebigen Narbe.

Bei Diabetikern können verschiedene Faktoren dazu führen, dass sich der Heilungsprozess verzögert:

  • Patienten mit einer Schädigung des peripheren Nervensystems (sensomotorische Neuropathie) nehmen Druck und Schmerzen oft gar nicht wahr.4 Kleine Druckstellen oder Abschürfungen können für lange Zeit unbemerkt bleiben.

  • Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte und eine verminderte Immunabwehr (zum Beispiel eine beeinträchtigte Phagozytenfunktion) können das Infektionsrisiko erhöhen und zu einer verzögerten Wundheilung beitragen. Daher können Diabetiker häufiger und schwerer an Infektionen erkranken.3

  • Zusätzlich ist bei Diabetikern die Durchblutung oft gestört1, sodass das Gewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden kann.

Viele Diabetiker leiden an einem Fußulcus, das üblicherweise an der Großzehe oder im Bereich des Zehengrundgelenks auftritt. Große Schwielen sind oft die Vorstufe oder überdecken dieses.3 Die protektiven Mechanismen können durch die periphere sensorische Neuropathie beeinträchtigt sein. Dadurch besteht die Gefahr, dass der Patient wiederholt geringere, aber auch massive Fußverletzungen nicht bemerkt oder diese nicht ernst genug nimmt und zu spät zum Arzt geht. Eine pathologische Druckverteilung fördert die Entstehung von Schwielen und Druckulzera und kann beispielsweise bei bettlägerigen Patienten letztendlich zum Absterben des Fersengewebes führen (bei Fersenulzera).3,4 Im schlimmsten Fall kann eine Amputation erforderlich sein.3

Quellen:

  1. Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). www.internisten-im-netz.de/de_typ-2-diabetes-auswirkungen_390.html, abgerufen am 22.03.2017.
  2. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes – Langfassung, 1. Auflage. Version 3. 2013, zuletzt geändert: April 2014. Available from: www.versorgungsleitlinien.de/themen/diabetes2/dm2_therapie; [cited: 23.03.2017]; DOI: 10.6101/AZQ/000203.
  3. Kasper DL, Fauci AS, Hauser SL, et al. editors. Harrisons Innere Medizin. 19. Auflage. Berlin: AWB Wissenschaftsverlag; 2016.
  4. Hodeck K, Bahrmann A. Pflegewissen Diabetes: Praxistipps für die Betreuung älterer Diabetes-Patienten. Berlin, Heidelberg: Springer, 2014.
  5. Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e. V. Lokaltherapie chronischer Wunden bei Patienten mit den Risiken periphere arterielle Verschlusskrankheit, Diabetes mellitus, chronische venöse Insuffizienz. S3-Leitlinie 091–001. Stand: 12. Juni 2012.
  6. HelmholtzZentrum München. www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/erkrankungsformen/folgeerkrankungen/diabetes-und-nerven/index.html, abgerufen am 23.03.2017.
  7. Rüttermann, M. et al. Klinische Leitlinie: Lokaltherapie chronischer Wunden: Bei Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit, chronisch-venöser Insuffizienz und Diabetes mellitus. Dtsch Arztbl Int 2013. 110(3): 25-31: DOI: 10.3238/arztebl.2013.0025
  8. Deutsches Rotes Kreuz (DGK). Wunden. Verbote bei Wunden. www.drk.de/hilfe-in-deutschland/erste-hilfe/erste-hilfe-online/wunden/verbote-bei-wunden/, abgerufen am 23.03.2017.
  9. Deutsches Rotes Kreuz (DGK). Wunden. Wundbedeckung. www.drk.de/hilfe-in-deutschland/erste-hilfe/erste-hilfe-online/wunden/wundbedeckung/, abgerufen am 23.03.2017.
  10. Morbach S et al. Diabetisches Fußsyndrom. DDG Praxisempfehlung. Diabetologie 2012;7(Suppl 2):143–151.
  11. HelmholtzZentrum München. www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/erkrankungsformen/folgeerkrankungen/diabet-fusssyndrom/index.html , abgerufen am 23.03.2017.