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Diagnose Diabetes - und nun?

Diagnose Diabetes: Sensible Begleitung zu Therapiebeginn

Nach der Diagnose „Diabetes Typ 2“ benötigen die Patienten sensible Unterstützung. Es ist wichtig für sie, zu erfahren, wie sie ihr Leben mit einer Anpassung des Lebensstils und einer guten medikamentösen Einstellung fortführen können. Denn durch aktives Zutun können Patienten mit einem manifestierten Typ-2-Diabetes ihren Stoffwechsel verbessern und dadurch diabetischen Folgeerkrankungen vorbeugen.1

Vielen Patienten mit Diabetes Typ 2 fällt es zunächst schwer, die Erkrankung ernst zu nehmen, weil sie sich über lange Zeit oft gesund fühlen und keine Beschwerden haben. Zusätzlich ängstigen sie womöglich bisher unbekannte Ausdrücke wie Insulinresistenz, Lebensstiländerung oder Folgeerkrankungen. Im Körper kann jedoch kein anderes Hormon die Wirkung von Insulin ersetzen. Den Patienten sollte daher bewusst werden, dass sie mit einer gesunden Lebensweise – bestehend aus gesunder Ernährung, körperlicher Aktivität, Tabakverzicht und Stressmanagement – einen wesentlichen Beitrag für ihre Gesundheit leisten können.3,4 Dabei genügen manchmal bereits kleine Veränderungen im Alltag, um einen positiven Effekt auf die Diabetes-Erkrankung zu erzielen und Folgeerkrankungen zu verhindern.

Circa der Hälfte aller Patienten mit einem beginnenden Diabetes Typ 2 gelingt es, durch/mit Gewichtsreduktion, Ernährungs- und Bewegungstherapie ihren Blutzucker wieder in den Griff zu bekommen.5,6 Folgende gesundheitsrelevante Änderungen können bereits mit einer adäquaten Gewichtsreduktion erreichen werden:

  • Senkung der mit Diabetes assoziierten Sterblichkeit
  • Blutdrucksenkung
  • Reduktion des Nüchtern-Blutzuckers
  • Reduktion des Gesamt-Cholesterins7

In kleinen Schritten zum Therapieerfolg

Die Basistherapie „Lebensstiländerung“ können die Patienten selbstständig durchführen.4 Aber aller Anfang ist schwer. Daher ist es für Patienten mit Diabetes wichtig, mit kleinen Schritten auf den Therapieerfolg hinzuarbeiten. Ein wichtiges Ziel bei der Beratung ist, den Willen der Patienten zu stärken und sie hinsichtlich einer Lebensstiländerung und Gewichtsreduktion zu motivieren.4

Mit folgenden Tricks und Alltagskniffen können Ihre Patienten es schaffen, gute Vorsätze als Begleitung der medikamentösen Diabetes-Therapie umsetzen und diese auch einzuhalten:

  • Für mehr Bewegung: Besonders einfach können bewusste und wiederkehrende Aktivitäten im Alltag integriert werden: Statt den Fahrstuhl können Patienten die Treppe nehmen oder persönlich zum Kollegen gehen statt zum Telefonhörer zu greifen. Ein Fitness-Armband kann durch die Kontrolle über das Erreichte zu mehr Bewegung im Alltag motivieren und dabei helfen, am Ball zu bleiben. Reha-Sportgruppen für Diabetes bieten meist nicht nur Anleitung durch erfahrene Trainer, sondern auch die Gelegenheit, sich gemeinsam mit anderen Betroffenen zu bewegen. Das steigert den Spaßfaktor und feste Termine schaffen dabei Routine.

  • Für eine gesündere Ernährung: Ungesunden Ernährungsgewohnheiten können Ihre Patienten Schritt für Schritt mit kleinen Änderungen entkommen. Wie wäre es, zum Beispiel auf Zucker beim Backen zu verzichten und stattdessen Stevia zu verwenden? Rezept-Ideen für Diabetiker finden Sie und Ihre Patienten zum Beispiel unter www.msd-gesundheit.de. Diäten sind meist wenig zielführend, weswegen eine langfristige und bedarfsgerechte Ernährungsumstellung das Ziel sein sollte. Unterstützung können sich Ihre Patienten hierfür bei einer Ernährungsberatung holen.

  • Für mehr Therapietreue: Eine Diabetes-Schulung bietet Patienten die Möglichkeit, Gleichgesinnte zu treffen, sich auszutauschen und wertvolle Tipps für den eigenen Alltag mitzunehmen. Kleine Helfer aus dem Netz, wie Diabetes-Apps für das Smartphone, können unterstützen, zum Beispiel die Blutzuckerwerte besser im Blick zu haben.

Noch mehr Tipps finden Sie und Ihre Patienten in unserer Broschüre „Leben mit Diabetes“, die Sie sich kostenlos bestellen oder herunterladen können.

Hintergrund

Im Gegensatz zu einem Diabetes Typ 1, der innerhalb von Tagen bis Wochen entstehen und manifestieren kann, entwickelt sich ein Diabetes Typ 2 in der Regel schleichend und kann über Jahre hinweg unerkannt bestehen. Dabei beginnen Gefäßschädigungen, die zu Folgeerkrankungen führen können, bereits meist viele Jahre, bevor ein manifester Diabetes überhaupt diagnostiziert wird. Häufig ist der erhöhte Blutzuckerspiegel eine Zufallsdiagnose bei Routineuntersuchungen oder wird im Rahmen der Behandlung anderer Krankheiten entdeckt. Dann ist es höchste Zeit für eine konsequente Therapie.

Die Körperzellen von Patienten mit Diabetes Typ 2 werden durch die Diabetes-Erkrankung zunehmend unempfindlich gegenüber Insulin. Man spricht von einer Insulinresistenz.2 Die insulinproduzierenden Betazellen des Pankreas versuchen, diese Insulinresistenz auszugleichen und produzieren anfänglich mehr Insulin. Die gesteigerte Insulinproduktion kann allerdings nicht dauerhaft aufrechterhalten werden.1,2 Durch den dann sinkenden Insulinspiegel steigt der Blutglukosespiegel kontinuierlich an und der Diabetes manifestiert sich. Dabei könnte die Entwicklung zum Diabetes Typ 2 bei rund 75 % der Patienten mit einem metabolischen Syndrom, die eine gestörte Glukosetoleranz mit erhöhter Insulinproduktion aufweisen, durch Einschränkung der Nahrungszufuhr und körperliche Aktivität wieder umgekehrt werden.1

Folgeerkrankungen des Diabetes

Ist für viele Patienten die Diabetes-Erkrankung bereits eine schwerwiegende Diagnose, so trifft sie das Bewusstsein möglicher Folgeerkrankungen meist im Besonderen. Durch die Erkrankung verursachte Gefäßschädigungen können nicht nur das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen, sondern auch zu Erblindung, einer chronischen Nierenerkrankung oder zu einem diabetischen Fußsyndrom führen.

Quellen:

  1. Hien P et al. Pathogenese und Entwicklung des Diabetes mellitus Typ 2. In: Diabetes Handbuch. Berlin: Springer 2013:28–30.
  2. Berufsverband Deutscher Internisten e.V. Typ-2-Diabetes: Ursachen von Diabetes www.internisten-im-netz.de/de_typ-2-diabetes-ursachen_387.html, abgerufen am 22.02.2017.
  3. Schwarz PEH. Prädiabetes – hoher Risikofaktor für einen manifesten Typ-2-Diabetes? – Erfolgreiche Prävention durch frühe Interventionen zur Lebensstiländerung. Dtsch med Wochenschr 2012; 137(37): 1788. DOI: 10.1055/s-0032-1327078.
  4. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes – Kurzfassung, Stand: September 2013.
  5. Kasper DL, Fauci AS, Hauser SL, editors. Harrissons Innere Medizin. Berlin: ABW Wissenschaftsverlag; 2016.
  6. Online-Informationen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung BMBF. Therapieoptionen – erfolgreich gegen Diabetes. http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/4814.php, abgerufen am 22.02.2017.
  7. Lehnert H, editor. Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel. 4. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag; 2015.