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Diabetischer Fuß

Diabetisches Fußsyndrom

Bei Diabetikern können bereits harmlose Druckstellen, zum Beispiel durch zu enge Schuhe, schnell zum Problem werden, vor allem wenn sie zunächst unentdeckt bleiben. Den Füßen sollte daher mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Erfahren Sie hier mehr zu den Warnzeichen des diabetischen Fußsyndroms und den möglichen Maßnahmen zur Prävention von schwerwiegenden Komplikationen.

Beim diabetischen Fußsyndrom handelt es sich um ein komplexes Erkrankungsgeschehen, das von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Hierfür typische, sichtbare Erscheinungsbilder sind chronische Wunden und Gangrän.1,8 Ein Gangrän ist eine Gewebenekrose, also absterbendes bzw. abgestorbenes Gewebe. Es wird zwischen der trockenen Gangrän und der feuchten Gangrän, die mit einer bakteriellen Infektion einhergeht, unterschieden.7 Die Hauptursache chronischer Wunden und Gangrän beim Diabetiker sind eine Neuropathie und Durchblutungsstörungen.8 Häufig verschlechtert sich der allgemeine Gesundheitszustand infolge eines diabetischen Fußsyndroms fortschreitend, die Sterblichkeit betroffener Patienten ist erhöht. Eine Prävention dieser diabetesbedingten Komplikation stellt sich daher als besonders wichtig dar.1

Warnzeichen des diabetischen Fußsyndroms erkennen

Die folgenden Warnzeichen des diabetischen Fußsyndroms können als sogenannte „Frühwarn-Checkliste“ angesehen werden:

  • Hat sich das Empfinden von Wärme, Kälte, Schmerzen oder Druck in letzter Zeit verändert?
  • Treten oder traten schon einmal Missempfindungen oder Gefühllosigkeit in den Beinen oder Zehen auf?
  • Treten bei Wärme oder nachts ein taubes Gefühl, „Ameisenlaufen“ oder brennende, stechende Schmerzen auf?
  • Sind die Füße übermäßig trocken und bildet sich auffällig wenig Schweiß?
  • Zeigen die Füße starke Schwielen oder markante Druckstellen?6

Was die Patienten beitragen können

So lassen sich Veränderungen der Füße schnell erkennen und behandeln:

  • Tägliche Inspektion zur Früherkennung von Druckstellen oder kleineren Verletzungen
  • Tägliche Fußhygiene mit Anwendung von Feuchtigkeitsspendern
  • 1- bis 2-mal jährliche Fußinspektion durch den Arzt durchführen lassen
  • Darüber hinaus: bei Auffälligkeiten frühzeitig den Arzt aufsuchen
  • Vermeidung von Barfußlaufen und Verletzungen durch unsachgemäße Fuß- und Nagelpflege
  • Sorgfältige Auswahl des Schuhwerks5

Trotz guter Fußpflege und passender Schuhe kann es zu Verletzungen an den Füßen kommen. Patienten, die an einem Diabetes leiden, sollten sich in solchen Fällen an einen Arzt wenden. Durch eine frühzeitige Behandlung können langwierige Komplikationen reduziert werden.

Hintergrund und Ursache des diabetischen Fußsyndroms

Langfristig erhöhte Blutzuckerkonzentrationen schädigen die kleinen Nerven des Körpers (diabetische Neuropathie) sowie die großen und kleinen Blutgefäße (Makro- und Mikroangiopathie). Die Patienten können dann unter Durchblutungs- und Empfindungsstörungen leiden.2

Vor allem die Kombination aus diabetischer Neuropathie und peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) begünstigt das diabetische Fußsyndrom.3 Auslöser dabei sind häufig Verletzungen oder Druckstellen am Fuß, die die Patienten in vielen Fällen aufgrund der Gefühlsstörungen erst spät bemerken.1

Etwa 15 - 25 % aller Diabetiker entwickeln mindestens einmal im Leben Wunden am Fuß.4 Jedoch bleiben diese eventuell unbemerkt, da Diabetiker im Gegensatz zu Gesunden Schmerzen nicht mehr so gut wahrnehmen. Offene Wunden bieten einen Nährboden für Bakterien.1 Kleine Verletzungen können sich schnell zu großflächigen Wunden entwickeln, die sich leicht entzünden und dann schlecht abheilen können. Dauerhafte Wunden und Vernarbungen können die Folge sein. Nicht zuletzt entfallen auf Patienten mit Diabetes mellitus etwa 70 % der jährlichen Amputationen in Deutschland.5 Somit ist es von großer Bedeutung, der Entstehung von Wunden möglichst sorgfältig vorzubeugen bzw. bei bestehenden Wunden die Gefahr einer Infektion zu reduzieren und jede Wunde frühzeitig zu behandeln.

Das Amputationsrisiko ist erhöht bei:

  • Männern,
  • einer Krankheitsdauer von mehr als 10 Jahren,
  • peripherer Neuropathie (Störung der Nerven des peripheren Nervensystems, also Nerven außerhalb des Gehirns und Rückenmarks),
  • veränderter Fußstatik,
  • peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK),
  • Zigarettenabusus und vorangegangenem diabetischen Ulzera oder
  • bereits erfolgter Amputation sowie
  • unzureichender Blutzuckereinstellung.5

Quellen:

  1. HelmholtzZentrum München. Diabetesinformationsdienst. https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/erkrankungsformen/folgeerkrankungen/diabet-fusssyndrom/index.html, abgerufen am 22.03.2017.
  2. Schmidt,S. Döbele, M. editors. Demenzbegleiter. Leitfaden für zusätzliche Betreuungskräfte in der Pflege. 3. Auflage. Springer Verlag: Berlin, Heidelberg; 2016.
  3. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes – Langfassung, 1. Auflage. Version 3. 2013, zuletzt geändert: April 2014. Available from: http://www.versorgungsleitlinien.de/themen/diabetes2/dm2_therapie; [cited 22.03.2017]; DOI: 10.6101/AZQ/000203.
  4. Berufsverband Deutscher Internisten e.V. Was ist ein diabetischer Fuß? http://www.internisten-im-netz.de/de_was-ist-ein-diabetischer-fuss_1537.html, abgerufen am 22.03.2017.
  5. Kasper DL, Fauci AS, Hauser SL et al. Harrisons Innere Medizin. 19. Auflage. ABW Wissenschaftsverlag: Berlin; 2016.
  6. BDI. Internisten im Netz. Diabetischer Fuß. https://www.internisten-im-netz.de/print_was-ist-ein-diabetischer-fuss_1537.html, abgerufen am 19.05.2017.
  7. Pschyrembel. Gangrän. https://www.pschyrembel.de/gangr%C3%A4n/K08FH/doc/, abgerufen am 19.05.2017.
  8. Pschyrembel. Diabetischer Fuß. https://www.pschyrembel.de/diabetisches%20fu%C3%9Fsyndrom/K08B7/doc/, abgerufen am 19.05.2017.