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Diabetische Retinopathie

Diabetische Retinopathie: Früh erkennen, früh handeln

Ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus kann Gefäßschäden begünstigen – besonders an den kleinen Gefäßen, die Augen, Nieren und Nerven versorgen – mit entsprechenden Folgen. Um eine drohende Erblindung aufzuhalten oder zu verlangsamen, ist es für Patienten mit Diabetes wichtig, erhöhte Blutzuckerspiegel zu vermeiden und ihre Therapieziele – im wahrsten Sinne des Wortes – im Auge zu behalten.

Die optimale Einstellung des Blutzuckers sollte für die Patienten oberste Priorität haben. Denn ein rechtzeitig, gut eingestellter Blutglukosespiegel kann Folgeerkrankungen effektiv verhindern und bereits entstandene Schäden unter Umständen rückgängig machen. So kann auch eine Komplikation wie die diabetische Retinopathie mit einer konsequenten Blutglukoseeinstellung möglichst lange hinausgezögert werden.3

In Deutschland gehört die diabetische Retinopathie zu den häufigsten Erblindungsursachen.1,2 Da sie häufig lange Zeit symptomlos verläuft, bemerken Patienten eine beginnende Erkrankung oft nicht. Umso wichtiger sind die empfohlenen augenärztlichen Kontrolluntersuchungen für Diabetiker, die die Patienten unbedingt durchführen lassen sollten.3

Maßnahmen für Ihre Patienten

Vor diesem Hintergrund sollten die Patienten dahingehend sensibilisiert werden, auf eine gute Blutzuckereinstellung zu achten, und dazu ermutigt, die vereinbarten Kontrolltermine beim Augenarzt wahrzunehmen. Damit sich dieser einen schnellen Überblick über den Krankheitsverlauf verschaffen kann, sollte ein vorhandener Diabetes-Pass mitgenommen werden.

Vorbereitend können Sie die Patienten auf folgende wichtige Punkte aufmerksam machen:

  • Nach der Diabetes-Diagnose ist es besonders wichtig, sich umgehend einer augenärztlichen Untersuchung zu unterziehen und im Folgenden regelmäßige Kontrolltermine wahrzunehmen. Nur so können Veränderungen frühzeitig diagnostiziert2 und bestehende Schäden in einem frühen Stadium gegebenenfalls noch behandelt werden.5 

  • Besteht bereits eine diabetische Retinopathie, sollten die Patienten ihre Kontrolltermine beim behandelnden Augenarzt unbedingt wahrnehmen.2,3 Treten gar Sehprobleme, wie verzerrtes Sehen oder Schwankungen der Sehschärfe auf, sollten die Patienten diesen umgehend aufsuchen.2

  • Während einer Schwangerschaft kann sich eine bestehende diabetische Retinopathie manifestieren oder verschlechtern. Das Fortschreiten einer Retinopathie ist dabei von verschiedenen Risikofaktoren abhängig:

    • Alter der Patientin
    • Diabetesdauer
    • Retinopathie-Status vor Empfängnis
    • Vorhandensein oder Entwicklung einer Nephropathie
    • Entwicklung bzw. Behandlungsqualität einer Hypertonie
    • Güte der Stoffwechseleinstellung2

    Bei schwangeren Patientinnen, die an einer diabetischen Retinopathie leiden, ist es daher umso wichtiger, alle Kontrolltermine beim behandelnden Augenarzt einzuhalten.4

Hintergrund der diabetischen Retinopathie

Die Mikroangiopathie, ausgelöst durch langfristig hohe Blutzuckerwerte (chronische Hyperglykämie), schädigt bei der diabetischen Retinopathie die Kapillaren (kleine Blutgefäße) der Netzhaut.1,3 Grundsätzlich wird zwischen dem nicht proliferativen und dem proliferativen Stadium unterschieden.2 Dabei kann eine nicht proliferative diabetische Retinopathie in eine proliferative übergehen.1

Gekennzeichnet ist das nicht proliferative Stadium der Erkrankung hauptsächlich durch die Störung der retinalen Gefäßpermeabilität und Blutversorgung sowie dem progressiven Verschluss der Retinagefäße. Bei der proliferativen diabetischen Retinopathie bilden sich neue Kapillaren aus, die in den Glaskörper hinein wachsen und leicht rupturieren können. Im Glaskörper können sie zu Blutungen, zur Fibrosierung und zur Netzhautablösung führen.1,2

Zusammen mit der Makuladegeneration und dem Glaukom ist die diabetische Retinopathie die häufigste Erblindungsursache in Deutschland.1,2 Erblindungsraten von 0,2-0,5 %2 mögen vielleicht niedrig erscheinen – dennoch erblinden Patienten mit Diabetes mellitus 25-mal häufiger als Patienten ohne Diabetes.1

Insgesamt leiden 9-16 % der erwachsenen Typ-2-Diabetiker unter einer diabetischen Retinopathie – bei Patienten mit Typ-1-Diabetes ist es sogar jeder vierte.2 Die Güte der Blutzuckereinstellung und die Erkrankungsdauer spielen hier eine wichtige Rolle: Nach mehr als 20 Jahren tritt bei vielen Patienten mit Diabetes eine nicht proliferative Retinopathie auf.1

Quellen:

  1. Kasper DL, Fauci AS, Hauser SL, et al. editors. Harrisons Innere Medizin. 19. Auflage. Berlin: ABW Wissenschaftsverlag GmbH. 2016.
  2. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes – Langfassung, 2. Auflage. Version 1. 2015. Available from: www.netzhautkomplikationen.versorgungsleitlinien.de; [cited: 27.02.2017]; DOI: 10.6101/AZQ/000244.
  3. Bley C-H, editor. I care Krankheitslehre. 2. Korrigierter Nachdruck. Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG; 2015.
  4. S3-Leitlinie 057/023: Diabetes und Schwangerschaft. Evidenzbasierte Leitlinie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. Aktueller Stand 12/2014. http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/057-023.html, zuletzt abgerufen am 29.05.2017.
  5. Grehn F Augenheilkunde. 31. Auflage. Springer-Verlag Berlin Heidelberg. 2012.