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Diabetes und Reisen

Diabetes und Reisen: Praktische Tipps für Diabetes-Patienten

Ein Diabetes ist meist kein Hinderungsgrund für eine Reise. Allerdings sollten die Reisevorbereitungen der Erkrankung angepasst werden. Eine unzureichende Schulung oder Vorbereitung können die Reisefähigkeit von Patienten mit Diabetes beeinträchtigen. Akute schwerwiegende diabetische Komplikationen können unter Umständen auch dazu führen, dass eine Reise nicht angetreten werden kann.2 Hier erfahren Sie, wie Sie Diabetes-Patienten in der Vorbereitung unterstützen können, damit diese einen möglichst unbeschwerten Urlaub genießen können.

Hinweise für die Reisevorbereitung

Eine gute Vorbereitung auf die Reise ist das A und O. Natürlich vor allem, wenn es um exotische Ziele geht und/oder eine weite Flugreise geplant ist. Diabetes-Patienten sollten dann vor Reiseantritt mit dem behandelnden Arzt ihre Reisepläne besprechen. In der reisemedizinischen Beratung sollte dann vom behandelnden Arzt eine Risikoanalyse für das Reiseziel unter Berücksichtigung der patientenindividuellen Risikofaktoren vorgenommen werden.

Darüber hinaus sollten Diabetes-Patienten ausreichend informiert und geschult sein, um ihre Insulindosis unter BZ-Kontrolle selbständig anpassen zu können sowie ihr individuelles Hypoglykämierisiko und entsprechende Symptome zu kennen.3

Bereits vor der Reise sollte der Vorrat an Arzneimitteln einschließlich Notfallmedikation sowie Testgeräte und -streifen, notwendige Spritzen, Lanzetten, Pens und evtl. Insulinpumpenzubehör großzügig kalkuliert werden. Ihre Patienten sollten für den Notfall vorbereitet sein, dass das gesamte Gepäck möglicherweise nicht sofort am Zielort ankommt und deshalb zur Sicherheit einen Vorrat für 2-3 Tage mit ins Handgepäck nehmen. Insgesamt sollte ruhig mit der zwei- bis dreifachen Menge des geschätzten Bedarfs für die Reise kalkuliert werden. Vor allem sollten die spezifischen Lagerungsbedingungen aller Materialien bekannt sein und beachtet werden. Sowohl Insulin als auch Plasmaglukose-Teststreifen sind temperaturempfindlich.2

Diabetes-Patienten sollten einen internationalen Diabetiker-Ausweis mit sich führen, idealerweise mit einer Übersetzung in der jeweiligen Landessprache. Übersetzungen gibt es beispielsweise beim Deutschen Diabetikerbund auf diabetikerbund.de. Außerdem empfiehlt sich ein ärztliches Attest (möglichst in Englisch und ggf. in der Landessprache), aus dem die Notwendigkeit hervorgeht, dass der Patient Spritzen, Insulin, Teststreifen sowie Lanzetten und ggf. eine BE-Notration (BE=Broteinheiten) mit sich führen muss und/oder eine Insulinpumpe trägt. Diese Informationen können hilfreich sein bei der vor dem Abflug stattfindenden Sicherheitskontrolle, später dann bei der Einreise.2,5

Natürlich kann es auch passieren, dass Diabetes-Patienten unterwegs ihre Medikamente verlieren oder diese gestohlen werden. Wer sichergehen möchte, sollte sich im Vorfeld informieren, welche Medikamente im Urlaubsland verfügbar sind und sich für diese vorab ein entsprechendes Rezept ausstellen lassen. Da nicht immer gewährleistet ist, dass ausländische Apotheken ein solches Rezept auch anerkennen und einlösen, sollte es wirklich nur den Notfallbedarf abdecken und nicht zum Ersatz des Gesamtbedarfs dienen.2

Was Diabetiker im Aktivurlaub bedenken sollten

Reisen und Urlaub sind oft mit außergewöhnlichen Aktivitäten verbunden. Sei es beim Schwimmen, beim Wandern oder auch zum Beispiel bei ausgiebigen Stadtbesuchen – es sollte berücksichtigt werden, dass diese Tätigkeiten oft eine Steigerung der körperlichen Aktivitäten gegenüber häuslichen Bedingungen darstellen können und Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel haben können. Denn die arbeitende Muskulatur verbrennt wesentlich mehr Glukose als der ruhende Muskel, sodass der Blutzuckerspiegel sinken kann und ggf. Unterzuckerungen begünstigt werden können. Deshalb ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass vor allem bei Ausdauersportarten, wie beispielsweise intensivem Skifahren oder Bergsteigen, eine Anpassung der medikamentösen Behandlung notwendig sein kann und dies im Vorfeld mit dem behandelnden Arzt geklärt werden sollte.1

Bei Reisen in andere Zeitzonen an eine Therapieumstellung denken

Reisen in andere Zeitzonen können bei Diabetikern eine Anpassung ihrer Therapie zur Folge haben, abhängig davon, ob der Reisetag länger (Reise nach Westen) oder kürzer wird (Reise nach Osten). Deshalb sollte der Patient während der Reise häufiger Blutzuckerkontrollen durchführen und die Insulindosis entsprechend der Nahrungsaufnahme und der aktuellen Blutzuckerwerte anpassen. Die Anpassung der Therapie im Einzelfall sollte der Patient vor Reisebeginn unbedingt mit seinem behandelnden Arzt besprechen.2

Blutzuckermessung bei extremen Temperaturen

Bei Reisen in andere Klimazonen sollte die Temperaturempfindlichkeit von u. a. Insulin und Plasmaglukose-Teststreifen berücksichtigt werden. Bei Hitze sollte Insulin gekühlt mitgeführt werden, z. B. in einer Thermoskanne oder einer Kühltasche.2 Große Hitze kann zudem die Insulinwirkung beschleunigen, wodurch das Hypoglykämierisiko steigen kann. Bei kaltem Klima hingegen sollten Insulin, das Blutzucker-Messgerät, Plasmaglukose-Teststreifen sowie Kohlenhydrate und Not-Broteinheiten unter der Kleidung am Körper getragen werden. Blutzuckermessungen sollten am besten in warmen Innenräumen erfolgen. Sofern dies nicht möglich ist, sollten die Handschuhe erst kurz vor der Messung ausgezogen werden. Die Benetzung der Plasmaglukose-Teststreifen kann unter der Jacke erfolgen. Auch das Messgerät sollte unter eine Jacke ins Warme gesteckt werden.4

Reisen in Höhenklima

Für das Höhenklima sollten die bei Kälte genannten Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, sofern es sich bei der Höhenlage um eine kalte Klimazone handelt.3

Nachsorge der Reise

Nach dem Ende einer Reise sollten sich Diabetes-Patienten vorsorglich beim behandelnden Arzt zu einer Kontrolluntersuchung vorstellen.3

Quellen:

  1. Standl E, Mehnert H. Das große TRIAS-Handbuch für Diabetiker: Typ 1 und Typ 2: Alles was Ihnen hilft. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 2013.
  2. Diabetesinformationsdienst München, Helmholtz Zentrum München, www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/leben-mit-diabetes/reisen/index.html, abgerufen am 12.09.2016.
  3. Küpper T. Aktivurlaub bei Diabetes: Mit den richtigen präventiven Maßnahmen gut machbar. In: Diabetes und Chancengleichheit editorial. Diabetes aktuell: Für die Hausarztpraxis. Stuttgart New York: Georg Thieme Verlag KG; 2016. S. 68-72.
  4. Hien P, et al. Pathogenese und Entwicklung des Diabetes mellitus Typ 2. In: Diabetes Handbuch. Berlin: Springer; 2013:28–30.
  5. Schmeisl G-W et al.: Schulungsbuch für Diabetiker. Urban & Fischer, 7. Auflage 2011. S. 176