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Diabetes und Ramadan

Fastenmonat Ramadan: Eine Herausforderung für Diabetiker

Im Islam hat die Einhaltung des Fastenmonats Ramadan für gläubige Muslime einen besonders hohen Stellenwert. Von der Fastenpflicht ausgenommen sind unter anderem alte, kranke und schwache Menschen.1,2 In Deutschland fasten jedes Jahr auch viele muslimische Diabetiker. Für sie ist beim Fasten neben einer guten Vorbereitung Achtsamkeit essentiell. Ein Poster mit wichtigen Hinweisen zum Fasten für die Patienten finden Sie als Download am Ende des Beitrags.

Der Fastenmonat Ramadan fällt in den 9. Monat des islamischen Mondkalenders und verschiebt sich dadurch alljährlich:

  • 16. Mai – 14. Juni 2018
  • 6. Mai – 4. Juni 20192

Beginnend mit der Morgendämmerung ist den Fastenden in diesem Zeitraum unter anderem das Essen und Trinken bis Sonnenuntergang nicht gestattet.2 Bedingt durch das veränderte Essverhalten, wie zum Beispiel den Verzehr von großen, kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten nach Sonnenuntergang, kann für Patienten mit Diabetes die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen wie einer Hypo- oder Hyperglykämie steigen.3

Webinar: Diabetes und Ramadan

Haben Sie auch Patienten mit Diabetes, die trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen, im Monat Ramadan fasten wollen?

In diesem kurzweiligen Webinar werden Ihnen wichtige Hintergrund-Informationen zum Ramadan und einige Besonderheiten, die es während der Fastenzeit für Diabetiker zu beachten gibt, vermittelt. Diese Besonderheiten gelten auch im Übrigen für alle die Fasten möchten.

  • Was und wann ist Ramadan?
  • Fasten bei Diabetes: Besonderheiten und Risiken
  • Ernährungsempfehlungen
  • Serviceangebote

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Wichtige Fragen vor dem Fasten

Patienten mit Diabetes Typ 2 sollten bereits 6-8 Wochen vor Fastenbeginn ein ausführliches Gespräch mit ihrem behandelnden Arzt führen, um zu klären, ob das Fasten für sie infrage kommt, und gut auf die Fastenzeit vorbereitet zu sein.3

Sollte das Fasten nach Einschätzung des Arztes medizinisch vertretbar sein, können und sollten Sie den Patienten folgende wichtige Punkte mit auf den Weg geben:3

  • Wie oft sollten Patienten mit Diabetes Typ 2 den Blutzuckerspiegel messen?
    Aufgrund der Ernährungs- und Lebensstilumstellung während der Fastenzeit werden Zwischenfälle wahrscheinlicher. Durch eine regelmäßige, ggf. mehrmals tägliche, Blutzuckermessung entwickeln Patienten ein besseres Gefühl für den Einfluss des Fastens auf ihren Blutzuckerspiegel, erst so werden sie in die Lage versetzt, ihre Erkrankung effektiv zu managen.

  • Sollte der Diabetes-Behandlungsplan oder die Medikation ärztlich angepasst werden?
    Neben dem Essverhalten kann auch die Art der Medikation während der Fastenzeit die Risiken des Fastens beeinflussen. Um möglichst ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen fasten zu können, sollte vor dem Ramadan auch daran gedacht werden, die Dosis, das Timing oder die Medikation durch den behandelnden Arzt überprüfen und ggf. anpassen zu lassen.

  • Was sollte bei der Ernährung und der Flüssigkeitszufuhr beachtet werden?
    Das lange Fasten während des Tages kann die Patienten bei Einbruch der Nacht dazu bewegen, große, kohlenhydrathaltige Mahlzeiten oder zuckerhaltige Getränke auf einmal zu sich zu nehmen. Das kann das Risiko von Komplikationen erhöhen. Sie können die Patienten bei der Planung ihrer Mahlzeiten oder bei der Einhaltung eines bestehenden Ernährungsplans unterstützen. Einfach umsetzen lassen sich folgende Tipps:
    • Eine Gewichtszunahme sollte während des Ramadan vermieden werden. Manche übergewichtige Patienten mit Diabetes Typ 2 möchten während des Ramadan die Gelegenheit nutzen, abzunehmen. Eine Gewichtsreduktion kann zu einer besseren glykämischen Kontrolle und einem reduzierten kardiovaskulären Risiko führen. Optimal ist eine moderate, schrittweise Gewichtsreduktion von 0,5‐1 kg/Woche. Die Kalorienzufuhr sollte kontrolliert werden und sich basierend auf Größe und Geschlecht an spezifizierten Zielwerten orientieren. Außerdem sollte die Kalorienaufnahme gleichmäßig auf die Zeit vor Sonnenaufgang (Suhoor) und die Zeit nach Sonnenuntergang (Iftar) verteilt werden.
    • Es sollte sichergestellt werden, dass die Mahlzeiten möglichst ausgewogen sind (45-50 % Kohlenhydrate; 20-30 % Protein; < 35% Fette (vorzugsweise mehrfach ungesättigt); gesättigte Fette sollten weniger als 10 % der gesamten täglichen Kalorienmenge betragen).
    • Zuckerhaltige Nachtische sowie koffeinhaltige und gesüßte Getränke sollten vermieden werden. Erlaubt sind moderate Mengen gesunder Nachspeisen, wie zum Beispiel ein Stück Obst.
    • Bei Bedarf kann zwischen den Mahlzeiten ein Stück Obst, eine Handvoll Nüsse oder Gemüse verzehrt werden.

  • Können sportliche Aktivitäten weiterhin wie gewohnt ausgeübt werden?
    Harte Trainingseinheiten sollten vermieden werden, da sie das Risiko von Hypoglykämie und/oder Dehydration erhöhen können. Leichte bis moderate Übungen dagegen sind während des Ramadan empfehlenswert.

Wann sollte das Fasten unterbrochen werden?

Die Patienten sollten die Anzeichen einer Hypoglykämie und Hyperglykämie erkennen. Sobald eine Komplikation auftritt, sollten die Patienten zudem immer ihren Blutzucker messen. Bahnt sich während der Fastenzeit eine Hypoglykämie an, sollten Patienten eine kleine Menge schnell wirkender Kohlenhydrate zu sich nehmen (z. B. Fruchtsäfte) und ihren Blutzucker nach 15-20 Minuten erneut messen.3

Das Fasten sollte in diesen Fällen unterbrochen werden:3

  • Blutglukose < 70 mg/dl (3,9 mmol/l)
  • Blutglukose > 300 mg/dl (16,6 mmol/l)

Auch bei folgenden Symptomen ist ein Abbruch indiziert:3

Unser Poster kann Sie bei der Vorbereitung Ihrer Patienten auf das Fasten unterstützen und sie noch einmal über gesundheitliche Risiken informieren:

Download der Infographik

Quellen:

  1. Heiliger Koran, Sure 2, Verse 183-185.
  2. Islam.de: Islamische Feiertage 2015- 2019; verfügbar unter: http://islam.de/2860, abgerufen am 24.08.2017.
  3. International Diabestes Federation (IDF), Diabetes and Ramadam (DAR) International Alliance, Diabetes and Ramadan: Pracital Guidelines, 2016; verfügbar unter: https://www.idf.org/our-activities/advocacy-awareness/resources-and-tools/87:diabetes-and-ramadan-practical-25.html, abgerufen am 24.08.2017.